Presse
Junge Kunst (Nr. 64, 10-12/05)
Kathrein Weinhold bietet Hilfe zum "Selbstmanagement im
Kunstmarkt"
Karriere im Zeitalter des Starkults
Von Astrid Kehsler
"Aufmerksamkeit ist der Schlüssel zum Erfolg im
21.Jahrhundert." Mit diesem Satz beschreibt Galeristin und
Dozentin Kathrein Weinhold den Zeitgeist im Kunstmarkt.
Aufmerksamkeit zieht neue Aufmerksamkeit nach sich. Doch sie kann
auch sehr kurzlebig sein. In ihrem Buch "Selbstmanagement im
Kunstmarkt" beschreibt die Autorin die Mechanismen von Markt
und Marketing, um zu einem professionellen Auftritt als
Künstlerunternehmer zu motivieren.
Kathrein Weinhold hat kein Karrierekochbuch mit Blitzrezepten
für den schnellen Aufstieg geschrieben. Das ist bereits am Umfang
von mehr als 300 Seiten ablesbar, von denen knapp die Hälfte einer
Hintergrundbetrachtung des Kunstmarkts mit seinen Akteuren,
Mechanismen und Schauplätzen gewidmet ist. Hier wird die Basis
gelegt und ein Selbstverständnis vermittelt, bei dem die
(Selbst-)Inszenierung des Künstlers sehr stark in den Vordergrund
tritt. "Qualität ist dabei schon lange nicht mehr das
Kriterium für den Erfolg", räumt die Galeristin ein. Und:
"Diese Kunst wird auf jeden Fall vergänglicher." Als
neuen Kunstmarkt bezeichnet sie den Marktplatz, auf dem Stars
gepuscht werden und die Aufmerksamkeit den Preis bestimmt.
"Das Starsystem ist eine extreme Erscheinung des 21.
Jahrhunderts", erläutert Kathrein Weinhold. Doch auch der
"alte Kunstmarkt" ist nicht ausgestorben. "Es gibt
nach wie vor Galerien, die versuchen, mit leiseren Tönen die
Künstler in den Markt zu bringen." Zu ihnen zählt die
Kunstvermittlerin auch ihre eigen Galerie Storkower Bogen in Berlin.
"Für den Künstler ist es eine Typentscheidung: Möchte ich
wie Jonathan Meese ins Rampenlicht?" Doch auch wenn er den
zurückgezogeneren Weg wählt, rät Kathrein Weinhold jedem
Künstler, am Kunstleben seiner Region und seines Umfeldes
teilzunehmen – jeweils orientiert an seinen langfristigen Zielen.
Den Kult-Künstler Jonathan Meese stellt die Autorin exemplarisch
für die neue Stargeneration in ihrem Buch vor. Sie erläutert, wie
er die Aufmerksamkeit geweckt hat und wie er sie durch immer neue
Veränderungen wach hält. Ein wichtiger Bezugspunkt ist für die
Autorin dabei das Buch "Ökonomie der Aufmerksamkeit" von
Georg Franck, dessen Thesen sie auf den Kunstmarkt überträgt.
Wenn es im zweiten Teil des Buches um das praktizierte
Selbstmanagement geht, bleibt der Starkult Messlatte und
Orientierung. Vom Künstler wird erwartet, dass er in verschiedene
Rollen schlüpft: "Die Rolle des Künstlers und seine
Kreativität ist gefragt, wenn es um die künstlerische Arbeit geht,
aber die Rolle des Unternehmers ist primär gefordert, wenn die
Kunst in die Öffentlichkeit soll, um Aufmerksamkeit,
gesellschaftliche Anerkennung und Kaufkraft ihrer Bezugsgruppen zu
vereinnahmen." Kathrein Weinhold beschreibt die Zutaten für
einen individuellen Marketing-Mix. Der Künstler selbst muss jedoch
auswählen, was er für sich umsetzen möchte, wie er die einzelnen
Bausteine seiner Öffentlichkeitsarbeit gewichtet. Letztlich, so die
Überzeugung der Künstlerberaterin, gibt es kein fertiges Rezept
für die Karriere. Kunst braucht Individualität. Doch die eigene
Erfolgsstrategie kommt nicht aus ohne das Wissen um die Marktgesetze
und die Mittel von Vermarktung und Inszenierung. Diese Grundlagen
legt Kathrein Weinhold mit ihrem Buch und ergänzt sie ambitioniert
mit vielen praktischen Tipps, Adressen und Handwerkszeug für den
Berufsalltag.
Und wie sehen ihre eigenen Pläne für die Zukunft aus?
"Mein neues Galerieprogramm präsentiert Künstler als
Seismographen und Katalysatoren der Gesellschaft, welche den
Blickwinkel des 21. Jahrhunderts erweitern und Szenarien mit ihren
individuellen künstlerischen Mitteln entwickeln. Es geht dabei um
das Nachfragen, Vordenken, Zukunft visionieren." Außerdem hat
sie bereits eine neue Buchidee im Kopf. Doch dazu möchte sie sich
erst äußern, wenn die Zeit dafür reif ist.
"Selbstmanagement im Kunstbetrieb" von Kathrein
Weinhold ist als "Handbuch für Kunstschaffende" im
transcript Verlag Bielefeld erschienen und kostet 25,80 Euro (ISBN
3-89942-144-2). Eine Selbstdarstellung der Galeristin, Dozentin und
Autorin, die auch als Coach Künstler betreut, bietet die neue
Website www.kathrein-weinhold.de. Nächster Seminartermin für
Künstler/innen ist am 12. und 13. November im Frauenmuseum, Bonn.
Auskunft unter Telefon 030/97 60 74 11.
Ein Jahr lang arbeitete Kathrein Weinhold an ihrem Buch. Um ihr
Ziel zu erreichen, engagierte sie für diese Zeit eine feste
Assistentin in ihrer Galerie und bewies so Gespür und Planung für
die eigene Karriere.
Rund 200 Teilnehmer besuchen jährlich die Seminare zu
"Kunstmanagement – Kompetenz im Kunstmarkt", die
Kathrein Weinhold in Berlin und anderen großen Städten anbietet.
Junge Kunst (Nr. 64, 10-12/05)
Irgendwann muss auch verkauft werden
Interview: Astrid Kehsler
"Ich helfe Künstlern dabei, etwas zu bewegen", ist das
Motto von Kathrein Weinhold. Seit 1999 bietet sie dazu Seminare an.
Im Gespräch gibt sie Auskunft über die Herausforderungen des
Künstlertums.
Frau Weinhold, Sie kennen viele Künstler von Ihren Seminaren.
Was würden Sie sagen, fehlt bei deren Selbstmanagement am meisten?
Ein klarer Plan mit Zielen. Viele Künstler wissen, dass sie
Kunst machen wollen. Aber sie stellen sich kein konkretes Ziel,
etwa: In zehn Jahren will ich von meiner Kunst leben. Ohne ein
solches Ziel lassen sich aber auch keine Teilziele definieren.
Ihr Buch ist sehr anspruchsvoll, wenn es um die Schritte zur
Verwirklichung einer Künstlerkarriere geht. Jede Menge Marketing,
eigene Website, möglichst noch ein Newsletter. Ist das realistisch?
Ich will Mut machen, nach den Sternen zu greifen: Wenn ich als
Künstler einzelne Fähigkeiten nicht habe, die für das
Selbstmarketing wichtig sind, kann ich Leute aus meinem
Bekanntenkreis ansprechen oder mir das Wissen über Seminare holen.
Das Buch zeigt aber tatsächlich auf, dass ein Künstler sehr viel
können muss, wenn er marktfähig sein will.
Wie reagieren die Künstler auf Ihre Forderungen?
Manche sagen: Wir haben dann viel zu wenig Zeit für die Kunst.
Aber ihr Atelier wird immer voller - irgendwann muss auch verkauft
werden.
Führen diese Überlegungen nicht zwangsläufig zum Ziel, eine
Galerie für sich zu finden?
Wenn man das Arbeitspensum betrachtet, führt der Weg zumindest
in der Spitzengruppe meist zu einer Galerie. Es gibt aber auch
erfolgreiche Künstler wie Stefan Szczesny mit seiner Factory oder
Elvira Bach, die parallel zum Galerienmarkt eine sehr gute
Selbstvermarktung betreiben.
Nicht jeder Künstler hat das Potential, in die Spitzengruppe
aufzusteigen. Wer mit seiner Kunst eher im Mittelfeld liegt, setzt
oft auf Selbstvermarktung, um den gesamten Verkaufserlös eines
Werkes einstreichen zu können. Wie bewerten sie diese Position?
Der Kunstmarkt ist so strukturiert, dass es eigentlich kein
Mittelfeld gibt. Nur zwei bis drei Prozent der Künstler können gut
von ihrer Kunst leben. Doch vielleicht trägt mein Buch dazu bei,
mehr Künstler ins Mittelfeld zu bringen.
Wie würde Sie die Künstler charakterisieren, die es geschafft
haben und erfolgreich sind?
Sie haben einen ganz starken Willen, arbeiten an sich selbst und
besitzen ein unglaubliches Durchhaltevermögen. Außerdem begreifen
sie sich als Unternehmer und sind bereit, neue Wege zu gehen.
Märkische Allgemeine 04.03.2004
Überleben in der Welt der Kunst
Galeristin gibt Management-Nachhilfe
Von Arno Neumann
Zu wenig Wand für zu viele Bilder ist Alltag in Galerien. Zu
wenig Stühle für zu viele Besucher hingegen ist nicht alltäglich
in Kunstgalerien. Genau das aber ist das Problem, mit dem sich die
junge Galeristin Kathrein Weinhold in ihrer Berliner Galerie im
Storkower Bogen oft herumzuschlagen hat. Als die frisch examinierte
Kunstwissenschaftlerin und Germanistin Weinhold 1997 die Idee hatte,
in dem am S-Bahnhof Storkower Straße hingesetzten Hochhaus Cluster
eine eigene Galerie einzurichten, schien das Scheitern
vorprogrammiert. Allein die Galerie zu finden, war ein kleines
Abenteuer.Und nichts an der Gegend lässt Kunst vermuten. Dennoch
war die Eigentümerin, die Münchner Immobilienfirma Jost Hurler,
von dem Vorhaben angetan und signalisierte Unterstützung. Erhöhe
ein bisschen exquisite Kunst doch die Attraktivität des
Wirtschaftsstandortes, so die Überlegung.
Und genau diese Mischung von Kunst und Wirtschaft hat Weinhold
auch zum Markenzeichen ihrer Arbeit in der Galerie gemacht. Nicht
nur Kunst, auch Seminare zum Kunstmanagement bietet sie mit Erfolg
an. Künstler seien weitgehend hilflos in der Vermarktung ihrer
Kunst. Den Kunstmarkt transparent zu machen, Spielregeln zu
durchschauen, Strategien in der Arbeit mit Galerien aufzuzeigen, ist
Anliegen von Kathrein Weinhold. Die meisten Defizite, sagt sie, gebe
es bei Vertragsabschlüssen.
Ein Seminarwochenende reicht kaum aus, um all die Probleme zu
klären, die Künstler in ihrer Existenzsicherung bedrängen. Die
wenigsten können von der Kunst allein leben: Ein Drittel der Zeit
"Brötchen verdienen", ein weiteres Drittel zum Vermarkten
der eigenen Kunst, das gilt als grobe Faustregel. So dass nur ein
Drittel fürs Kunstmachen übrig bleibt – vorausgesetzt, es gibt
überhaupt die Chance, Brötchen zu verdienen.
Die engagierte Galeristin bietet mehr als nur Kunstmanagement. In
den weitläufigen Räumen präsentiert sie Malerei, Grafik, Skulptur
und Fotografie. Ebenso osteuropäische gegenständliche Kunst, auch
viel Deutsches, mit Schwerpunkt auf den neuen Bundesländern.
Meist sind es junge Künstler, die gezeigt werden. Die
Ausstellungszeiträume sind relativ kurz bemessen. Jeweils zur
Monatshälfte wird gewechselt. Anfang Februar zeigte der 1968
geborene, in Chemnitz lebende Russe Jaroslav Kourbanov seine
Gemälde mit sibyllinisch anmutenden Frauen in klassischer
Körperhaltung – leicht unterkühlter Realismus mit metaphysischen
Tendenzen. Mit ganz anderem, vehement malerischen Temperament füllt
noch bis zum 14. März der Berliner Günter Böhme die weitläufigen
Galerieräume. Der Betrachter kann verfolgen, wie einer von der
betont figurativen Komposition zur Abstraktion gelangt, ohne den
inhaltlichen Anspruch seiner Malerei aufzugeben. Böhme ein Leben
lang in der künstlerischen Unterweisung tätig, gelingt es,
intellektuellen Anspruch im Vergnügen an künstlerisch
komprimierter Form zu vermitteln.
Gegenständliche Kunst, so vermittelt ein Lokalaugenschein in der
Galerie Weinhold, ist wieder im Kommen. Die Galerie hat Zukunft.
Junge Kunst (Nr. 59, 07-09/04)
Alles nur graue Theorie?
Auch Recht und Betriebswirtschaft sind wichtige Faktoren eines
erfolgreichen Künstlerlebens.
Wer mit dem Gedanken spielt, sich als Künstler selbstständig zu
machen oder aber seine Vermarktung zu überarbeiten, wer sich aus
klassischen "Fallen" befreien möchte, der sollte sich
entsprechend fortbilden. Anne Katharina Knieß sprach für JUNGE
KUNST mit einigen Anbietern.
Kaum einer mag oder kann es sich leisten, wie Spitzwegs einsamer
Poet der künstlerischen Freiheit wegen zu darben, fernab der
gesellschaftlichen Realität zu leben. Doch noch immer ist dieses
Selbstbild nicht nur bei Autodidakten, sondern sogar in der
akademischen Ausbildung internalisiert; welche Kunst-Akademie
bereitet die Studenten umfassend auf den Berufsalltag vor? Wer zeigt
Chancen und Risiken der Vermarktung auf? Geradezu erwartungsgemäß
reagierten wenigstens die Akademien von Düsseldorf, Frankfurt/Main,
Münster, Saarbrücken und München auf eine aktuelle Anfrage nach
ihrem entsprechenden Angebot: sie antworteten erst gar nicht.
Nun führen romantische Welt-Verweigerung und überhöhte
Selbstwahrnehmung aber ebenso wenig zum Erfolg wie der Zufall. Dabei
ist kaum einer ein Marketing-Naturtalent wie etwa Sabine Endres, die
kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" (27./28. März
2004) porträtiert wurde: Die gelernte Groß- und
Einzelhandelskauffrau und Friseurin stellte zunächst in ihrem Laden
sie ihre Bilder aus und lebt mittlerweile von der Kunst.
Entscheidend für ihren Erfolg waren "Fleiß, Mut und
Begeisterung" sowie ein klarer Blick auf das Kaufmännische und
damit auf den Endkunden, dem es manchmal einfach darum gehe,
"die Nachbarn mit einem Original über dem Sofa zu
beeindrucken".
Eigen-Marketing kann man lernen
Nun ist nicht jede Künstlerin, ist nicht jeder Künstler ein
Kaufmann wie Endres - vieles aber lässt sich lernen. Einen Trost
halten die Fortbildungs-Angebote also parat: verschiedene
Institutionen bieten seriöse Maßnahmen in den Bereichen Marketing,
Pressearbeit, Selbst- und Werkpräsentation zu vergleichsweise
günstigen Preisen an. Ein Blick auf nüchterne Zahlen lassen die
Notwendigkeit erkennen, sich entsprechende Fertigkeiten anzueignen:
Der Deutsche Kulturrat kam zu dem Ergebnis, dass von den
geschätzten 42.000 professionellen Künstlern in Deutschland nur
ca. 15% von der eigenen Kunst leben können; andere Quellen führen
aus, dass hiervon maximal 1% Künstlerinnen sind.
Die Münchner Malerin und Computer-Künstlerin Alexandra
Königsmann, die 1999 und 2000 ein dreiteiliges
Professionalisierungs-Seminar der Gewerkschaft ver.di besuchte,
hofft, nach langjähriger Arbeit als Fernseh-Cutterin und
Video-Designerin, in naher Zukunft zu denen zu gehören, die
ausschließlich mit der Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen:
"Professionalisierung bedeutet auch, sich dem Markt zu
stellen". Wenn es für viele ihrer Kollegen beim Besuch eines
Kurses nicht einfach ist, Marktstrategien und sich selbst aus der
Distanz zu betrachten, um sich schließlich von den eigenen Arbeiten
zu trennen, meint sie, dass sich, "wer wirklich in sich
entwickelt ist", sich nicht von Marktstrategien entwickeln und
verändern lasse: "Ich tue, was mir gut tut."
Mit das Wichtigste war für sie, "dass ich lernen musste,
mich bezüglich meiner Kunst und mir selber auszudrücken und zu
definieren." Gelernt wurde anhand eines kurzen Diavortrags; mit
Fotos wurde die persönliche künstlerische Arbeit vorgestellt, die
Übungen sollten zu sprachlicher Sicherheit und Routine bei der
Präsentation der eigenen Arbeiten führen. Am hilfreichsten war
dabei die Gruppenarbeit, denn "an der Resonanz habe ich
gesehen, was und wie es ankommt".
Vor allem Kontakte helfen
"Ziel erreicht", könnten sich die drei Dozentinnen bei
all dem Lob denken. Und in der Tat sind damit die wesentlichen
Lerngebiete und -ziele: "Grundlagen der
Präsentation/Ausstellungspraxis",
"Textgestaltung/Pressearbeit" und
"Selbstpräsentation/Rhetorik" der drei zweitägigen
Workshops wohl bestens umgesetzt. Sicherlich spielt dabei auch eine
Rolle, dass sie alle sich im Kunstbereich bestens auskennen - Traude
Linhardt als Künstlerin, Pia Lanzinger als Künstlerin und Autorin
sowie die Kunsthistorikerin Susanne Prinz als langjährige
Galerie-Leiterin. Auch im kürzeren, eintägigen Theorie-Seminar
"Grundlagen zur Präsentation von Künstlerinnen in der
Öffentlichkeit" werden Themen wie Bewerbungsunterlagen
(Lebenslauf, Mappe, Fotomaterial), Öffentlichkeitsarbeit,
Textgestaltung, Ausschreibungen, Ausstellungen und juristische
Informationen behandelt.
Warum aber entwickelte Traude Linhardt vor nunmehr zehn Jahren
diese Fortbildungs-Veranstaltungen? Zunächst einmal, erzählt sie,
waren es Veranstaltungen im Rahmen des Josephine-Beuys-Forums, einem
Zusammenschluss von Künstlerinnen. Diese sollten lernen, sich
gegenüber Männern besser zu positionieren. Durch eine immer engere
Zusammenarbeit mit der Akademie erweiterte sich der Kreis, es kamen
auch männliche Teilnehmer. Das Ende der Zusammenarbeit mit der
Akademie wurde dann recht lakonisch eingeleitet: von der Hochschule
kam das Statement, dass die "Studenten gut versorgt sind, die
brauchen solche Seminare nicht mehr". Schon vorher konnte
ver.di Fachbereich Bildende Kunst interessiert werden, die eine
Fortführung der Seminare und Workshops ermöglichten. Als sie
versuchte, die Kurse mit Hilfe von ver.di auch an der Nürnberger
Akademie anzubieten, scheiterte das Engagement - schade, aber
geradezu symptomatisch war das, zeige auf, dsas es Künstlern nicht
immer leicht falle, auch nur einen kleineren Betrag in ihre
Fortbildung zu stecken.
Klares Selbstbild verhilft zu Erfolg
Dabei ist "unser besonderes Anliegen: ,Wie vermittle ich
mich am besten?’" Das bedeutet nicht, sich zu
"verkaufen", sich nicht fassbaren Marktanforderungen zu
beugen. Vielmehr fangen die Dozentinnen erst einmal damit an, den
Stand des Künstlers in der Gesellschaft zu definieren - und den
Teilnehmern ein positives, konstruktives Selbstbild zu vermitteln:
"Teils haben auch arrivierte Künstler ein Problem damit, sich
als Teil der Gesellschaft zu sehen. Dabei ist das Künstlersein ein
echter Beruf!" Nur dann, wenn ein Künstler voll im Leben
stehe, sich mit der Kunstszene auseinandersetze, Kontakte suche und
pflege, sich umfassend informiere, könne er erfolgreich sein.
Zum Handwerkszeug gehört damit entsprechend auch die
Zusammenarbeit und das Verhandeln mit Organisationen ,Galerien,
Museen und Berufsverbänden. Aber auch juristisches Vertrags-Wissen.
"Unsere Seminar sind das Startkapital, ein Startschuss für
Künstler", sieht Linhardt ihr Ziel. Auch in Zukunft bleibt
ver.di Partnerin der Fortbildung - darüber hinaus engagiert sich
die Gewerkschaft wie nur wenige andere große Institutionen mit
ihrem "IMK - Institut für Bildung, Medien und Kunst" für
die Belange der Künstler.
Angebote richten sich an alle Künstler
Mit dem Berliner BBK Bildungswerk hat sich die berufsständische
Vertretung der Künstler ein hervorragendes
Professionalisierungs-Forum gegeben. Es setzt sich seit 1997 mit
regelmäßig erscheinenden Programmen für die Qualifizierung und
Weiterbildung von Künstlern ein, denn insbesondere der
nichtkünstlerische Teil der Tätigkeiten komme "bislang an den
Kunsthochschulen zu kurz": In ihm geht es nicht nur, aber
zentral um die Existenz des Künstlers als Unternehmer.
Das Bildungswerk möchte so erreichen, dass wirtschaftliche
Freiräume für das Kunstproduzieren überhaupt geschaffen werden;
in der Schulung - grundsätzlich durch Praxis-erfahrene Dozenten -
von Marketing und Kommunikationsstrategien für Bildende Künstler
sieht die Institution, wie die für die Seminare zuständige Dr.
Claudia Brauers klar stellt, "keinen Widerspruch zur
Entwicklung künstlerischer Authentizität, zumal wir den Begriff
,Erfolg’ ohnehin als relationalen, individuellen verstehen".
Den Mehr-Wert der eigenen Kunst kann man erkennen erlernen
In Düsseldorf läuft seit einigen Jahren erfolgreich "Neue
Wege künstlerischer Existenz", ein Kooperationsprojekt vom
Kulturamt der Stadt Düsseldorf, der Volkshochschule und der
Regionalstelle Frau & Beruf. Das Kulturamt erstellte 1999 eine
Untersuchung "Frauenpräsenz in Ausstellungen Düsseldorfer
Kunstinstitutionen", die zu dem - wenig überraschenden -
Ergebnis kam, dass Frauen hier nicht nur unterrepräsentiert,
sondern auch unterbezahlt seien.
Weil zudem der Erfolg eines Kunstwerkes auf dem Markt neben der
eigentlichen Qualität eines Bildes oder einer Skulptur maßgeblich
von der Fähigkeit abhängt, sich selbst und das eigene Produkt als
überzeugende Einheit zu präsentieren, wird diese Lage
geschlechtsspezifisch erschwert: Im Gegensatz zu ihren männlichen
Kollegen fehlen Künstlerinnen nicht nur weitgehend Vorbilder in
dieser Richtung, sondern Formen der Selbstinszenierung sind
bisweilen sogar schwierig bis tabuisiert. Das rührige Amt
entschloss sich daraufhin, den Betroffenen unter die Arme zu
greifen.
Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung von der
Kulturhistorikerin und -journalistin Jutta Saum. Sechs über ein
Jahr verteilte Wochenend-Workshops gehen "von der Frage nach
dem eigenen Selbstverständnis als Künstlerin" aus.
Theaterpädagogische, kunsttherapeutische und kunsthistorische
Unterstützung bekommen die Teilnehmerinnen, "Image, Mythos und
Eigenbild - Philosophische Konzepte künstlerischer Identität"
wird gefolgt von Standortbestimmung, "Auftretenstraining,
Präsentationsstrategien (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Internet) sowie "Netzwerke - Infopool". Auch Claus C.
Schmickler unterrichtet in Düsseldorf. Er kann es kaum fassen, dass
frauenspezifische Veranstaltungen wie "Neue Wege
künstlerischer Existenz" noch notwendig seien und ist
entsprechend überrascht, wie erfolgreich sie sind.
Künstler sein ist ein Beruf
Sein Thema sind die "Betriebswirtschaftlichen Grundlagen zur
Existenzsicherung, Verbesserung der Marktchancen und Steigerung der
kommerziellen Kompetenz bildender Künstler/innen", Seminare,
die deutschlandweit auf Einladung verschiedener
Künstler-Organisationen statt finden. Schmickler ist es wichtig,
die Künstler aus dem Elfenbeinturm herauszulocken; erstaunlich sei
es, wie geradezu ahnungslos manche Künstler wirtschafteten - dabei
gebe es in Deutschland doch "keine Berufsgruppe, die so
gepampert ist wie die Künstler". Und wundert sich
entsprechend, dass manchem die Kosten von 85 Euro für das
Wochenend-Seminar geradezu "happig" erscheint.
Für Branchenfremde ist dieser Preis ungewöhnlich niedrig; doch
auch Petra Bach, die mit ihrem "artculturemanagement" ab
Herbst 2004 Kurse durchführt, weiß, dass die Preise für ein
Wochenendseminar zwischen 90 bis 100 Euro bewegen müssen. "Kulturmanagement
für Kunststudenten und Künstler aus dem Bereich der bildenden
Kunst - Der Weg zum freischaffenden Künstler" führt
in wesentliche Kunstmarkt-Themen ein und bringt mit der Erarbeitung
etwa von Checklisten direkten Nutzwert. Ihre praktischen Erfahrungen
bringen es mit sich, dass die Ex-Galeristin ("Kunstbüro",
Düsseldorf) und Kulturmanagerin Bach "beide Seiten sowohl die
eines Unternehmers, eines Galeristen als auch die Seite des
Künstlers", gut kennt.
Wie Bach ist auch Kathrein Weinhold eine Erfahrungs- und
Überzeugungs-Täterin: Nicht nur, dass die studierte Kunst-Lehrerin
in Berlin ihre "Galerie Storkower Bogen" (gegründet 1997)
erfolgreich aufbaute, sie bietet darüber hinaus seit 1999
Professionalisierungs-Seminare "Kunstmanagement - Kompetenz im
Bereich ,Kunstmarkt’ und ,Selbstmarketing’" an, die sie
für Bildende Künstler, Kunststudenten, Kunstwissenschaftler,
(zukünftige) Kunstvermittler und Kunstinteressierte bundesweit an
Kunstorten (Galerien, Museen) durchführt. Kürzlich beauftragte sie
zudem der Bielefelder transcript Verlag, ein Buch über
Kulturmanagement zu schreiben, in welchem sie "fundierte
Branchenkenntnisse und das Wissen um Potentiale verschiedener
Handlungsstrategien" aufzeigt, es erscheint in diesem Sommer.
Das kommt ihr sehr entgegen, schließlich, "kann ich ja nur
für einen kleinen Teil der Künstler, die sich bei mir bewerben,
etwas tun. Als Galeristin habe ich begrenzte Möglichkeiten. Für
alle anderen kann ich aber durch die Seminare und mein Buch
zumindest Wissen sammeln und es aufbereiten, so dass es
chancenfördernd für den Einzelnen wirken kann." Außerdem
"möchte ich auch gegen die deutsche Mentalität des Jammerns
ein Zeichen setzen und Mut machen, den Menschen zeigen, dass Ärmel
hochkrempeln Spaß machen und funktionieren kann."
Weinhold benennt wie kaum ein anderer Fortbilder, was so eigen
ist am Kunstmarkt: "Alles." Es handele sich hier um eine
Branche mit hoher Intransparenz, "Kunstmarkt funktioniert nicht
so wie andere Märkte" (was ja auch Petra Bach unterstreicht,
die "reinen" Betriebswirten und Unternehmensberatern kaum
eine Chance einräumt, sinnvolle Fortbildung auf diesem Gebiet zu
betreiben; die meisten würden entsprechend schnell wieder die Segel
streichen). Außerdem sei das Wissen schwer zugänglich -
"genauso wie die Kunst ein elitäres Gut ist, scheint das
Wissen mehr oder weniger elitär gehalten zu werden. Dies hat dann
wiederum mit Machtausübung und Machterhaltung zu tun",
reflektiert Kathrein Weinhold.
Die geeignete Strategie für Künstler sei also die Stärkung des
Selbstbewusstseins: "Ich arbeite nach der Maxime: ,Was nichts
kostet, ist nichts wert.’ Vieles in der Gesellschaft funktioniert
nach diesem banalen Schema. Ein Künstler wird von einem Unternehmen
oder einem anderen Partner anders bewertet und behandelt, wenn er
seine Leistung nicht für Null oder mit Unkosten zu seinen Lasten
offeriert."
Die Welt 19.06.2004
Seminare
Insiderwissen für Künstler
Was muss ich tun, um langfristig von meiner künstlerischen
Berufung leben zu können? Wie kann ich meine Existenz bis dahin
sichern? Wie sollte meine Selbstvermarktung aussehen? In
Kompaktseminaren vermittelt Kathrein Weinhold, Galeristin in Berlin
und Künstlerberaterin, praktisches Insiderwissen und fachlich
fundierte Kenntnisse für Künstler, die mehr über den Kunstmarkt
wissen möchten. Die Seminare finden in Berlin, Stuttgart, Köln und
Kassel statt. Infos zu den Terminen unter Tel. 030/97607411.
Allegra Women & Work 01/ 2001
Auf Chef studieren... oder einfach loslegen?
Studiengänge für Existenzgründung sind schwer in Mode gekommen
an deutschen Unis. Aber läuft der Laden mit mehreren Semestern im
Rücken wirklich besser?
Kleine Anfrage an zwei Junggaleristinnen - die eine mit, die andere
ohne
Von Nicole Maibaum
...
Weg 2: Learning by doing
Kathrein Weinhold, 28, Galeristin in Berlin
Wollte eigentlich Lehrerin werden, machte dann aber vor über drei
Jahren die Galerie Storkower Bogen (250 Quadratmeter) auf. Nebenbei
gibt sie Kunstmanagementseminare.
W&W: Wie war das: Sollten Sie nicht vor einer Schulklasse
stehen?
Stimmt. Eigentlich war das von mir mal so angedacht. Deswegen
auch das Lehramtsstudium. Bildende Kunst und Germanistik waren meine
beiden Schwerpunktfächer. Und natürlich gehörten dazu auch
diverse Praktika in Schulen.
W&W: Scheint Ihnen ja nicht sonderlich gefallen zu haben.
Oder warum haben Sie auf den Beruf der Galeristin umgesattelt?
Kunst war schon immer meine Leidenschaft. Ich habe während des
Studiums selbst gemalt und meine Bilder in Galerien ausgestellt.
Einige habe ich auch verkauft.
W&W: Trotzdem mutig, dann einfach eine eigene Galerie zu
eröffnen.
Ganz so einfach war es ja auch nicht. Ich musste etliche
Konzepte schreiben, um zum Beispiel ein Sponsoring zu bekommen. Und
am Anfang standen nicht einmal ein Stuhl oder ein Tisch in meiner
Galerie.
W&W: Heute läuft Ihre Galerie. Was macht Sie als
Geschäftsfrau so erfolgreich?
Ich bin ein lebensbejahender Typ, mit großem Optimismus, viel
Organisationsgeschick und dem Gespür für Kunst. Ich arbeite sehr
emotional. Wenn ich mich in ein Bild verliebe, dann Hals über Kopf.
Ich versuche, andere mitzureißen, und meist gelingt es mir, sie zu
begeistern.
W&W: Und wie sieht es mit Dingen wie Steuern,
Marketingstrategien oder Finanzierungskonzepten aus?
Ich habe mir sehr viel Wissen über Existenzgründung angelesen,
zum Beispiel über erfolgreiches Marketing. Ich nenne das meine
Selbststudienphasen, die nie abgeschlossen sein werden. Ansonsten
habe ich aber vor allem viele Freunde, darunter andere Galeristen
und Existenzgründer im Kulturbereich, die ich fragen kann. Auch das
finde ich sehr wichtig - nicht als Konkurrentin zu denken. Ich kenne
das Geschäft als Künstlerin, aber auch als Galeristin. Beide
Seiten gehören zusammen. Für die Steuer habe ich einen
Steuerberater.
W&W: Wäre ein gezieltes Studium nicht sinnvoller gewesen?
Nein. Auf keinen Fall. Die Leidenschaft zählt. Ist die nicht
da, nützt auch kein theoretisches Wissen.
W&W: Könnten Sie sich vorstellen, als Angestellte zu
arbeiten?
Nein, ich liebe meine Freiheit. Natürlich hat auch alles seine
Schattenseiten. Ich habe beispielsweise kein festes Gehalt.
W&W: Apropos Gehalt: Wie sieht es denn damit aus?
Nun, die Zahlen werden bei mir immer schwärzer. Der
Bundesverband der Galeristen gibt ein jährliches
Durchschnittseinkommen von 64 000 Mark an. Vielleicht wird es ja
irgendwann einmal mehr.
Münchner Merkur 07.11.2000
Management für Künstler
Kunsthochschulen helfen bei der Findung des künstlerischen
Ausdrucks. Um sich als Künstler am Markt behaupten zu können,
braucht der Kunstschaffende aber vor allem differenzierte Kenntnisse
der Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarkts. Da Hochschulen wegen
knapper Mittel beim Selbstmanagement vielfach nur begrenzte
Hilfestellung leisten können, bietet die Galerie Storkower Bogen in
Berlin ein bundesweites Seminar "Kunstmanagement".
Referentin Kathrein Weinhold geht bei der zweitägigen Veranstaltung
einerseits auf theoretische Frragen ein wie den Spielregeln, die der
Künstler im Umgang mit kommerziellen Galerien kennen muss, oder wie
sich Preise und Qualität auf dem Kunstmarkt definieren.
Andererseits werden praxisnahe Tipps etwa zu Vertragsgestaltungen,
Wettbewerben oder dem Sponsoring gegeben. Infos gibt es unter Tel.
030/ 97607411.
Berliner Morgenpost 05.12.2000
Mut zur Lücke
Keine Angst vorm Geld: Wie Kathrein Weinhold die Allianz von
Kunst und Wirtschaft gelingt
Von Andrea Hilgenstock
Es klingt fast wie im Märchen: Eine junge Kunststudentin fährt
auf dem Weg zu ihrem Atelier jeden Tag an einer großen Baustelle
vorbei. Ihr Blick bleibt an einem Schild hängen, auf dem sie liest,
dass hier das Büro-, Handels- und Dienstleistungszentrum Storkower
Bogen entsteht. Und da kommt ihr plötzlich eine Idee: In einem
Brief schlägt die angehende Lehrerin dem Münchner Bauherrn vor,
auch der Kunst an diesem Ort des kühlen Kalküls einen Platz
einzuräumen. Und prompt landet Kathrein Weinhold einen Volltreffer.
Der Bauherr setzt sich mit ihr in Verbindung, und drei Monate
später eröffnet die couragierte junge Frau ihre eigene Galerie.
Mitten im kulturellen Brachland zwischen Drogeriemarkt,
Unternehmensberatung und CDU-Kreisverband Lichtenberg schafft sie
Raum für Kunst. Das Malen hat sie inzwischen aufgegeben zu Gunsten
der professionellen Galeriearbeit. ... Mit sicherem Auftreten, viel
Energie und Enthusiasmus tritt die 28-jährige Sächsin heute für
andere Künstler ein. Spezialisiert hat sie sich auf die Künstler
Osteuropas. Diese stellen nicht nur in ihrer Galerie aus, wie
zurzeit in der Schau "Kosmopolit", sondern werden von ihr
auch an Bauherren vermittelt. So entwarf Stammkünstler Vardkes
Badaljan, ein in Berlin lebender Armenier, Wandgemälde für das
Entree zweier Bürohäuser. "Ich versuche, Auftraggeber
aufzuspüren und zu begeistern", berichtet die Vermittlerin,
die sich schon immer für die Allianz von Kunst und Wirtschaft
interessierte. Ja, sie weiß, dass Auftragskunst nie ganz frei sein
kann, sondern sich auch auf die Wünsche des Geldgebers einlässt.
Das sei zwar eine Gratwanderung, erscheint der pragmatischen
Jungunternehmerin aber doch relativ unproblematisch. Ihre Kenntnisse
gibt sie mittlerweile auch in Kunstmanagement-Seminaren weiter. In
ihren Kursen vermittelt sie Künstlern, wie von der
Vertragsgestaltung bis zur Projektfinanzierung die Zusammenarbeit
mit einer Galerie aussehen kann. "Künstler müssen raus aus
ihren Ateliers. Denn Bewegung erzeugt Bewegung. Persönliche
Kontakte können einen voranbringen", findet die Galeristin,
die sich selbst an diese Regel gehalten hat. So bekam sie die 250
Quadratmeter großen Räume zu günstigen Konditionen und zeigt dort
auf eigene Kosten ihre Ausstellungen. ... Die Kraft, jeden Tag
durchzupowern, schöpft sie aus ihren Erfolgen. Zehn Prozent der
"Kosmopolit"-Schau konnte Kathrein Weinhold bereits
verkaufen. Ein Ergebnis, mit dem sie zufrieden ist. Im Augenblick
beschäftigt sie schon ihr nächstes Projekt. Unter dem Titel
"Strömungen" möchte die muntere Macherin Künstler
präsentieren, die rechts und links der Oder arbeiten. Dafür wird
sie sich wieder auf Entdeckungsreise begeben.
Berliner Morgenpost 22.09.1999
Hallo, Nachbarn!
Von Ralf Nachtmann
Kathrein Weinhold (27) ist eine der jüngsten Galeristinnen
Berlins. Als das Ensemble des Storkower Bogens eröffnet wurde,
ergriff sie kurzerhand die Chance, sich einen Lebenstraum – die
eigene Galerie zu erfüllen. Mittlerweile präsentiert sie bereits
die vierte Ausstellung. Bis Oktober sind Werke junger Künstler aus
Osteuropa zu sehen und zu kaufen.
Sternzeichen: Waage
Familienstand: ledig
Hobbies: Schwimmen, Tanzen, am Strand Muscheln und Steine
sammeln
Sie sind Bürgermeister für einen Tag – was ändern Sie zuerst
in Ihrem Bezirk?
Arbeitsplätze schaffen, die Häuser, das Umfeld und das Leben
der Menschen mit Kunst ästhetischer und angenehmer machen...
Ihr Lieblings....
...essen: Spaghetti
...getränk: Tomatensaft
...musik: Gospel mit "The Berlin Star Singers"
...film: Evita
...fernsehsendung: keine, ich sehe fast nie fern
Welche drei Dinge nehmen Sie mit auf eine einsame Insel? Ein
Boot, dazu Ruder und Segel, um schnell wieder heimzukommen
Ihr (Lebens-)Motto: Man muss die Dinge angehen!
Der Tagesspiegel 08.10.1997
Augenblicke
Die meisten neuen Galerien eröffnen dieser Tage in der
Auguststraße, und mittlerweile sieht man schon die Straße an sich
vor lauter Ausstellungsräumen nicht mehr. Für die Kunsthändler
und -sammler mag das ja von großem Vorteil sein, für die
kulturelle Infrastruktur der Stadt könnte der Zustand hingegen eher
lähmend wirken. Um so erfreulicher ist es da, wenn es andere
Galeristen noch wagen, ihren Standort außerhalb der Mitte zu
suchen. Mit Blick auf den Storkower Bogen öffnete unlängst in
Lichtenberg die Galerie gleichen Namens mit einer eindrucksvollen
Schau junger Berliner Künstler und Künstlerinnen. Nach Benjamin
und Adorno zeigen sie in ihren Arbeiten eines, nämlich "daß
die Werke plötzlich ihre Augen aufschlagen".
BOGEN – Standortmagazin vom Storkower Bogen 01/1997
Kunst nahebringen
Eine Absolventin der Kunstwissenschaft gewinnt Künstler und
Bauherren für eine Galerie im Storkower Bogen
Von Rainer Blankenburg
"Kunst soll ausgestellt und gesehen werden. Von möglichst
vielen Menschen." Dieses Motto steht nicht etwa in den
Tagebüchern von Kathrein Weinhold oder ihren
Vorlesungsmitschriften. Sie vertritt es in Konzeptionen, mit denen
sie Unternehmen den Einsatz von Kunst professionell anzubieten
sucht, wo jene an ihrem Standort besser Fuß fassen wollen. Die
junge Absolventin der Humboldt-Universität und der Hochschule der
Künste malt selbst. Ihre eigentliche Antriebskraft ist aber mit
einem zweiten Motto besser zu fassen: "Kommunikation ist das
Herstellen von Gemeinsamkeit." Dieses Ziel verfolgt sie in
ihrer gerade eröffneten Galerie im Storkower Bogen mit großem Mut
und entsprechendem Glück. Denn wo selbst die Kommunalpolitiker
kulturelles Brachland eingestehen und Kultur lediglich als
Hoffnungsanker der Belebung öffentlicher Bereiche im industriell
gebauten Wohngebiet anrufen, da handelt sie - trotz aller
Schwierigkeiten. Mit der Eröffnungsausstellung
"Augenblicke" ist es ihr nicht nur gelungen,
Unterstützung zu finden, um binnen 10 Tagen aus einem Rohbau eine
Galerie zu machen. Sie hat auch Berliner und Brandenburger Künstler
für die Mitarbeit an einer aufwendigen Ausstellung gewonnen, die
die Kunst der jüngeren Generation (bis 40) anspruchsvoll und
zugleich faßlich für Nichtspezialisten repräsentiert. Wie der
Kunstwissenschaftler Prof. Olav Münzberg in seiner
Eröffnungslaudatio deutlich machte, sind hier bereits
Kunsttendenzen jenseits der alten Ost-West-Wahrnehmungsmuster von
Realismus und Ästhetizismus ablesbar. So hinterfragt der Künstler
Bertold Bartsch zum Beispiel in seinem Bild "Die Konstruktion
des Verfalls" die europäischen Normen der Zivilisation. Er
mahnt die Besinnung auf kulturelle Wurzeln gegen wachsenden
Identitätsverlust an. Die Ausstellung ermöglicht nicht nur
Kommunikation und das Entdecken von Gemeinsamkeiten oder
Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den acht ehemals ost- und
westdeutschen Künstlern. Annäherung zu gemeinsamem Handeln für
die Entwicklung des Gebietes entsteht auch zwischen Bauherren,
Behörden und Bewohnern - angefangen damit, daß die Galerie nach
der Verlagerung des Literatur-Cafés Wolkenbügel (Prenzlauer Berg)
und der demnächst folgenden des Theaters im Kino (Friedrichshain)
die einzige Kultureinrichtung in einem Einzugsbereich von mindestens
60.000 Bewohnern dreier Stadtbezirke ist und dabei ohne öffentliche
Zuschüsse arbeitet. Vor allem die Besucher aus dem Wohngebiet
finden hier nach zögerlichem Hinauftasten in den 1. Stock eine
eigens für sie geschaffene Kunst-Welt, die sie zu der gewohnten,
außerhalb des Storkower Bogens, in neue Beziehung setzt: Über
ihnen schweben Geister, die die Suche und Kontaktaufnahme zu den
Kunstwerken erleichtern. Ein blonder Engel empfängt sie und gibt
auf Wunsch Auskünfte über die Ausstellung, die Künstler und deren
Schöpfungen. Diese haben die Zauberkraft, immer reichhaltiger und
aussagekräftiger zu werden, je mehr Betrachtungszeit die Besucher
ihnen widmen; und jene entdecken schließlich, daß ein abstraktes
Bild gar nicht so abstrakt ist oder daß ein Papyrusboot durchaus
auch aus Stahl sein kann. Währenddessen ist mit ihnen eine
Verwandlung vor sich gegangen, die den Blick aus den Fenstern auf
den Platz im Innern des Wohngebietszentrums oder über den früheren
Zentralviehhof bis in die Nachbarbezirke weitet. Manches Mal hört
man dann, wie die Besucher untereinander Ideen austauschen, was man
an diesem Ort alles machen könnte. Dank der Galerie, Dank der
Phantasie. Man kann!
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